Zwirbels 6. Geburtstag

Im Frühjahr vor meinem 6. Geburtstag bin ich in den Schwarzwald gefahren und habe neue Freunde gefunden. Ich habe dazu eine kleine Geschichte als Geschenk mitgebracht. ganszwirbelogh300

Zwirbel & die Gänseblümchen

Nichts in der Natur kommt von ungefähr,
alles kommt vom Höchsten her. Drum tadle nie im Unverstand Was du nicht gründlich hast erkannt;
was du zerstampfest als den Feind
ist oft dein allerbester Freund.
(Gedicht von 1912)

 

 


Für Kinder von 3-7 Jahren

Es ist schon eine seltsame Geschichte:

urselDie kleine Kuh Zwirbel wird Botschafterin der Gänseblümchen.
Nie im Leben hätte sie gedacht, dass sie für eine solch große und wichtige Aufgabe in den Schwarzwald reisen würde. Der Schwarzwald besitzt alles, was Menschen und Tiere zum Leben brauchen. Fruchtbarer Boden, duftende Wälder und blühende Wiesen. Doch ausgerechnet in diese heile und verträumte Welt ist das Schlitzohr Pesti eingedrungen, um sich auszutoben und auf Kosten der Natur reich zu werden.

Der Winter ist gerade ausgezogen und die ersten Gänseblümchen strecken fröhlich ihre kleinen Köpfe der wärmenden Frühlingssonne entgegen, als Pesti im Schwarzwald Handzettel verteilt und Pestizide gegen Unkraut und Schädlinge anpreist. Er glaubt, dass er als Vertreter von Pflanzengiften reich werden kann!

Aber der schlitzohrige Gesell Pesti hat die Rechnung ohne die Einwohner im Schwarzwald und ohne Zwirbel gemacht. Die setzen sich für die Tiere und Pflanzen ein. Am Ende soll die Vernunft gewinnen!
Die Autorin: Anita Silvia Leiser
Der Zeichner: Sebastian Schütz
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„Ist es nicht seltsam, dass ein Gänseblümchen eine Kuh um Freundschaft bittet?“, will Zwirbel wissen. „Nein“, antwortet Ursel, das Gänseblümchen: „wir sind doch die besten Freunde der Tiere. Jedes Leben hat seine Bestimmung.

Unsere Lebensaufgabe ist es, in der Welt unaufhörlich zu wachsen und zu blühen und Menschen und Tieren Nahrung Gesundheit und Freude zu geben“.

Ursel fährt fort: „Die Gans ist wie meine Schwester.
In einer Sage steht geschrieben: die Weisheit ist ganz einfach: ohne Gans kein Gänseblümchen und ohne Gänseblümchen keine Gans!“

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Der Wind trägt die Gänseblümchen-Samen vom Schwarzwald in die weite Welt und die Schwarzwaldbiene sammelt Gänseblümchen-Pollen, macht daraus Honig und erfreut damit große und kleine Menschen.

„Wirst du denn gerne von einer Kuh verspeist?“ will Zwirbel vom Gänseblümchen wissen.

„Auch das gehört zu meinem Leben, kleine Kuh“, erklärt das Gänseblümchen.

„Oh, das habe ich bisher nicht gewusst. Ich liebe Gänseblümchen, habe sie aber immer mit ganz schlechten Gewissen abgebissen, gesteht Zwirbel.

„Schau, unsere Wurzeln sind tief im Boden verwurzelt.
Wir blühen vom Frühjahr bis zum Herbst, Blüte um Blüte, Jahr um Jahr. Menschen und Tiere die uns gut gesinnt sind und Hunger haben, fügen uns keine Schmerzen zu.“

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Zur Zeit treibt sich aber ein Geselle im Schwarzwald herum, der behauptet, Gänseblümchen wären bloß Unkraut, das ausgerottet werden muss. Die Biene hat mir davon erzählt.“

Zwirbel ist entsetzt!

Gänseblümchen Ursel berichtet: „Am Sonntag treffen wir uns vor dem Rathaus zur Demo. Die Gans wird da sein, die Biene und viele Gänseblümchen. Wir wollen den schlechten Gesellen Pesti zwingen, den Schwarzwald zu verlassen.“ Natürlich verspricht Zwirbel, auch an die Demo zu kommen!

Der folgende Sonntag ist ein strahlender Frühlingstag.

Am Rathaus setzt sich die Demo langsam in Bewegung. Alle sind gekommen, der Bürgermeister, der Förster, viele Familien und auch Geselle Pesti, der vor den versammelten Leuten einen Vortrag halten will. Allerdings ist seine Nase dick angeschwollen. Er sieht aus wie ein Monster, und alle die ihn sehen, wenden sich entsetzt von ihm ab.

Zwirbel traut sich trotzdem und spricht Pesti an: „Was ist mit deiner Nase los?“

„Eine Biene hat mich gestochen, dumme Kuh“, antwortet Pesti genervt.

Zwirbel lässt sich nicht provozieren und antwortet ruhig: „Dumm ist, wer Gänseblümchen Unkraut nennt und nicht weiß, dass Gänseblümchen Bienenstiche heilen…“

Zwirbels neue Freundin, Ursel das Gänseblümchen, steht neben Zwirbel und nickt ihr begeistert zu…

Pesti will Zwirbel auslachen, aber es ist nur ein leises, schmerzvolles Wimmern zu hören.„Dann beweise mir doch mal, dass Gänseblümchen Bienenstiche heilen, du

Kuh!“ zischt Pesti ärgerlich.

„Was bietest du uns, wenn wir dir helfen Pesti?“, will Zwirbel wissen.

„Dann verkaufe ich in Zukunft Gänseblümchen als Wundermittel“, schlägt Pesti vor.

„Das ist frech, Pesti“, kontert Zwirbel. „Gänseblümchen darf man nicht verkaufen, die werden allen Menschen und Tieren geschenkt.“

„Na schön, dann will ich Gänseblümchen meinetwegen verschenken“, verspricht Pesti.

„Halt, das ist immer noch zu wenig Pesti. Du musst ab jetzt darauf verzichten, Pestizide zu verkaufen. Du musst deine Einstellung ändern und in Zukunft biologisch leben!“ Pesti verspricht alles zu machen, wenn nur seine Nase wieder heil wird…

Zwirbel und Ursel legen Pesti Gänseblümchen auf die Nase, die bald kleiner und kleiner wird.

So schließen Ursel das Gänseblümchen, Zwirbel und Pesti im Schwarzwald eine dauerhafte Freundschaft.

Pesti ändert seine Lebenseinstellung und hält fortan Vorträge über Gänseblümchen…